Cover Das Ziel

#30 Das Ziel

Diesmal im Leseoptimisten-Trio mit Steuerberater Djuri Radenovic und Cordula Schneider diskutiere ich darüber, was davon noch heute gilt und was wir inzwischen anders sehen. Und folgen Alex Rogo bei seinem Weg zum optimierten Unternehmen. Und wir stellen fest, da gibt es einiges, das sich auf Kanzleien übertragen lässt und ist in großen Teilen zeitlos.

Dauer 47 Minuten

Das Ziel – ein Roman über Prozessoptimierung

Eliyahu M. Goldratt, 1984, 406 Seiten

Der Held Alex Rogo – klingt wie Khal Drogo 😉

Lesevergnügen wie Softeis – statt Popcorn / Blockbuster wie bei „Vergeude keine Krise“. Nostalgische Gefühle kommen auf. Habe das Buch im BWL-Studium zum ersten Mal gelesen, den Wöhe hat dann keiner mehr interessiert. Wissensvermittlung in Romanform war für mich komplett neu, vielleicht war das das erste Buch dieser Art.

Ist spannend jetzt 30 Jahre später das Buch nochmal zu lesen. Inzwischen hat sich die Welt und die Sicht auf die Wirtschaft stark verändert. Fabrik und Produktion kommen heute in der Managementliteratur kaum noch vor – nur noch die Einhörner und Start-Ups. Und das Bild des Generaldirektors, der an der obersten steht und einfach nur Geld scheffeln will wie Dagobert Duck, ist lustig.

Und das Bild vom arbeitenden Mann und der Hausfrau mit deren Eheproblemen – wie diese Geschichte heute wohl geschrieben würde?

Shownotes

  1. Die wichtigsten Erkenntnisse in 1 bis 3 Sätzen

Wie alle klugen Managementbücher: es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen.

Das Ziel lautet „Geld Verdienen“ – aus heutiger Sicht sehr archaisch. Und in der Reinform führt es zu Profitgier, ist also mit Vorsicht zu genießen. Im Buch kommt aber deutlich heraus, dass mehr dazu gehört als Kosten senken.

  1. Was kannst Du für die Praxis rausziehen
  • Aktuell wie nie: Die 4 Prioritätsklassen für Aufträge: Dringend…sehr dringend…Allerdringendst… und Auf der Stelle zu erledigen. Wir können einfach nichts zur rechten Zeit fertig bekommen
  • Die 3 wichtigsten Kennzahlen: Nettoertrag, Rendite und Cashflow. Nur wenn alle 3 steigen, stimmt das Geschäft. Dann spricht man von Geld verdienen.
  • 3 Kennzahlen, die das Ziel Geld verdienen ausdrücken und gleichzeitig erlauben, operationale Richtlinien für den Betrieb aufzustellen: Durchsatz, Bestände und Betriebskosten. Übersetzt für Kanzlei: Durchlaufzeiten, Fertigstellungsgrad und Kosten.
  • Denkfutter: Betriebskosten sind all jenes Geld, das das System dafür ausgibt, Bestände in Durchsatz zu verwandeln.
  • Ersetze Industrieroboter durch Digitalisierung / KI oder ein anderes Buzzword. Dann wird es auch ein spannendes Buch für heutige BWL-Studenten
  • Passende Frage dazu: hat die Digitalisierung die Durchlaufzeit erhöht, den Fertigstellungsgrad verbessert oder dazu beigetragen, die Kosten zu senken?
  • Statistische Fluktuationen: hat mich erinnert an den Unterschied zwischen Komplex und Kompliziert – siehe Podcast Brave New Work. Kenne Deine Abhängigkeiten, Prozessabläufe, wer wartet wann und wie oft auf wen
  • Die 5 Schritte der Prozessverbesserung: Identifiziere den Engpass | Entscheide wie der Engpass zu nutzen ist | alles der vorherigen Entscheidung unterordnen | Entlaste die Engpässe | Löst sich ein Engpass auf, beginne wieder mit Schritt 1. Doch achte darauf, dass es durch Trägheit nicht an anderer Stelle zu einem Engpass kommt – Behalte das Ganze im Blick
  1. Das beste Beispiel / die beste Geschichte

     

  • Pfadfinder Ausflug und Herbie – wer ist Dein Herbie? EKS Engpass Konzentrierte Strategie mal einfach erklärt
  • Bild zu Statistische Fluktuationen: Anzahl der Sitzplätze in einem Restaurant können wir genau bestimmen durch Nachzählen. Doch andere Informationen können wir nicht im Voraus bestimmen, z.B. wie lange es dauern wird bis der Kellern die Rechnung zum Tisch bringt oder wie lange es dauert, bis der Koch ein Omelett fertig hat. Oder wie viele Eier heute in der Küche gebraucht werden. Das ändert sich ständig und unterliegt Abhängigkeiten. Diese Abhängigkeiten akkumulieren sich und gleichen sich nicht aus.
  • Das Spiel mit den Zündhölzern und dem Würfel. S. 159 Nach 20 Durchgängen das perfekte Chaos
  • Die Erfindung des Periodensystems von Mendelejew ist faszinierend. Wie bekommt man Ordnung in etwas, das auf den ersten Blick keinen Zusammenhang hat.
  1. Was siehst Du kritisch?

Sein Grundansatz: Gewinn ist das Ziel klingt aus heutiger Sicht fatal. Hat genau zu der rücksichtslosen profitorientierten Denke der großen Konzerne geführt.

Allerdings ist das bei ihm zu kurz gegriffen: Denn seine Devise heißt
Gewinn ist nicht alles, aber ohne Gewinn ist alles nichts.

Denn bei ihm ist Gewinn als Zielgröße die Voraussetzung für Nachhaltigkeit, Überleben des Unternehmens.

 

  1. Was hat Dich zum Lachen gebracht
  • Zitat „Ich denke über ein paar Modewörter nach, die ich in letzter Zeit gehört habe. Etwa über Qualität“
  • Der alte EDV-Kalauer „Gibst Du Quatsch rein, kommt Quatsch raus“. Gilt heute auch noch: ein Mandant der seine Papierbelege unordentlich bringt, wird digital auch nicht ordentlicher. Shit in Shit out.

 

  1. Was war neu für Dich
  • Ich werde jetzt mal die Sokrates-Dialoge lesen
  1. Warum muss man dieses Buch gelesen haben – oder auch nicht

Auch nach 35 Jahren lesenswert. Die Romanform macht es leicht lesbar und regt immer wieder zum Nachdenken an. Ein echter Klassiker.

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